Meines Wissens ist das eine Erfindung des selbsternannten Arbeitnehmervertreters Jürgen Rüttgers (CDU). Es wird der Eindruck vermittelt, jede Lohnerhöhung wird durch die Steuerprogression des bösen Staates zunichte gemacht. Auch Bundeswirtschaftsminister Glos haut in der BZ in dieselbe Kerbe, indem er sich entrüstet, dass es bei einer Lohnerhöhung von 1% eine Steuererhöhung von 2% geben kann. Manche Leute glauben daher, dass ihnen von 100 € mehr im Monat nur noch 20 € oder sogar noch weniger bleiben. Das entspricht aber nicht den Fakten, wie jeder selbst anhand einer Steuertabelle nachrechnen kann. Nehmen wir den gegenwärtigen Durchschnittsverdienst in Deutschland von etwa 15.000 € pro Jahr, ergibt 1543 € Steuer. Verdient jemand 100 € im Monat mehr, kommt er auf 16.200 € im Jahr, macht 1846 € Steuer. Er zahlt zwar etwa 300 € mehr Steuern, es bleiben ihm aber trotzdem 900 € mehr im Geldbeutel, was ihn sicher freuen wird. Ich habe den Eindruck, man will uns Arbeitnehmer für dumm verkaufen, sodass wir auf Lohnerhöhungen verzichten sollen, weil angeblich der Staat wieder alles wegnimmt. Der lange Zeit verteufelte Staat, der jetzt alles richten soll, mit seiner Progression ist nicht das Problem. Die Preiserhöhungen einer auf maximalen Gewinn getrimmten Wirtschaft führen dazu, dass die reale Kaufkraft trotz Lohnerhöhung immer weiter sinkt. Was wir brauchen sind höhere Löhne, damit der Binnenmarkt anspringt.